Bei Microsoft rollt die nächste große Entlassungswelle an – und diesmal trifft es die Gaming-Sparte besonders hart. Laut Reuters streicht der Konzern weltweit rund 4800 Stellen, was etwa 2,1 Prozent der Belegschaft entspricht. Ein großer Teil der Kürzungen fällt demnach in den Xbox-Bereich. Dort sollen rund 3200 Jobs wegfallen.
Für Microsoft ist das mehr als nur ein normaler Sparkurs. Die Xbox-Sparte wird grundlegend umgebaut. Reuters berichtet, dass Microsoft mehrere Studios abspalten oder neu aufstellen will. Genannt werden unter anderem Compulsion Games, Double Fine Productions, Ninja Theory und Undead Labs. Bei Arkane Studios laufen demnach Gespräche in Frankreich.
Damit steht Xbox vor einem der größten Einschnitte seit Jahren.
Xbox steckt trotz Activision-Deal unter Druck
Eigentlich sollte Microsofts Gaming-Sparte nach der Übernahme von Activision Blizzard stärker dastehen als je zuvor. Immerhin gehören inzwischen Marken wie Call of Duty, Diablo, World of Warcraft, Candy Crush, Minecraft, Halo, Forza, Gears of War und viele Bethesda-Reihen zum Konzern.
Doch der riesige Spielekatalog löst offenbar nicht alle Probleme. Business Insider ordnet Xbox als Beispiel für die größeren Schwierigkeiten der Games-Branche ein: hohe Entwicklungskosten, schwächere Konsolenverkäufe, ein teurer Game Pass und der Druck, nach großen Übernahmen endlich bessere Renditen zu liefern.
Genau das macht die Kürzungen so brisant. Microsoft besitzt inzwischen mehr Gaming-Marken als fast jeder andere Konzern – muss aber trotzdem hart sparen.
Der Game Pass allein reicht offenbar nicht
Ein Kernproblem bleibt der Xbox Game Pass. Microsoft hat den Dienst jahrelang als Zukunft des Spielens positioniert: Viele Spiele, ein Abo, große Marken direkt zum Start. Für Spieler klingt das attraktiv, für Microsoft ist es aber teuer.
Wenn große Produktionen direkt im Abo landen, fehlen klassische Vollpreisverkäufe. Gleichzeitig müssen externe Deals, Studiokosten, Server, Marketing und neue Inhalte finanziert werden. Business Insider berichtet, dass der Game Pass nicht das Wachstum erreicht habe, das Microsoft nach den milliardenschweren Übernahmen gebraucht hätte.
Das heißt nicht, dass der Game Pass verschwindet. Aber die Zeit, in der Microsoft gefühlt jedes Problem mit noch mehr Geld lösen konnte, scheint vorbei zu sein.
Auch die Hardware schwächelt
Dazu kommt ein weiteres Problem: Xbox-Konsolen verkaufen sich im Vergleich zu PlayStation und Nintendo deutlich schwächer. Business Insider verweist darauf, dass Xbox-Hardware weiter hinter Sony und Nintendo zurückliegt. Gleichzeitig steigen Hardwarekosten, unter anderem wegen teurer Speicher- und Komponentenpreise.
Das passt zu den jüngsten Diskussionen um teurere Konsolen, Steam Machine, Speicherkrise und KI-Rechenzentren. Gaming-Hardware wird nicht automatisch günstiger, nur weil eine Generation älter wird. Für Xbox ist das besonders unangenehm, weil die Konsole ohnehin schwerer gegen PS5 und Switch 2 ankommt.
Wenn Hardware weniger stark läuft und das Abo-Modell teuer bleibt, muss Microsoft seine Gaming-Strategie neu sortieren.
Was passiert mit den Studios?
Für Spieler stellt sich jetzt vor allem die Frage, was die Umstrukturierung für kommende Spiele bedeutet. Wenn Studios abgespalten, verkauft oder neu aufgestellt werden, kann das Projekte verzögern, verändern oder im schlimmsten Fall beenden.
Gerade Namen wie Ninja Theory oder Double Fine sind für Xbox-Fans emotional wichtig. Ninja Theory steht für Hellblade, Double Fine für kreative Spiele wie Psychonauts 2. Wenn solche Studios aus der direkten Xbox-Struktur gelöst werden, wirkt das wie ein weiteres Zeichen dafür, dass Microsoft seine Gaming-Sparte stärker nach Wirtschaftlichkeit bewertet.
Das muss nicht automatisch schlecht für jedes Studio sein. Unabhängigkeit kann Freiheiten bringen. Aber in einer Entlassungswelle klingt "neue Struktur" selten nach reiner Aufbruchsstimmung.
Xbox verliert seine einfache Botschaft
Das größere Problem ist die Identität. Was ist Xbox im Jahr 2026 eigentlich? Eine Konsole? Ein Abo? Eine PC-Plattform? Ein Publisher für PlayStation und Nintendo? Eine Cloud-Marke?
Microsoft hat in den vergangenen Jahren immer stärker auf ein Ökosystem gesetzt. Spiele sollen auf Xbox, PC, Cloud und teils auch anderen Konsolen laufen. Strategisch kann das sinnvoll sein. Doch je breiter Xbox wird, desto schwerer ist die Botschaft an normale Spieler.
Sony verkauft PlayStation als klare Premium-Konsole mit starken Blockbustern. Nintendo verkauft Switch 2 als eigenes Hardware-Erlebnis. Xbox wirkt dagegen oft wie ein großes, aber schwer greifbares Paket aus Game Pass, Studios, PC, Cloud und wechselnden Plattformplänen.
Ein harter Neustart
Die neuen Entlassungen zeigen, dass Microsoft nicht einfach weitermacht wie bisher. Die Xbox-Sparte soll schlanker, profitabler und klarer werden. Für die betroffenen Mitarbeiter ist das eine bittere Nachricht. Für Spieler ist es ein Warnsignal, dass selbst große Übernahmen und bekannte Marken keine Sicherheit garantieren.
Microsoft hat im Gaming-Bereich weiterhin enorme Macht. Call of Duty, Minecraft, Bethesda, Blizzard und Xbox Game Studios verschwinden nicht einfach. Aber der Konzern scheint nicht mehr bereit zu sein, unbegrenzt Geld in eine Sparte zu pumpen, die ihre Versprechen nicht schnell genug einlöst.
Für Xbox beginnt damit eine neue Phase. Weniger Wachstum um jeden Preis, mehr Druck auf Rendite – und vermutlich eine deutlich härtere Auswahl, welche Spiele, Studios und Projekte wirklich Zukunft haben.
Foto: Coolcaesar / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
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