Für Sammler ist es eine bittere Nachricht: Sony beendet ab Januar 2028 die Produktion physischer Discs für neue PlayStation-Spiele. Neue Titel sollen danach digital über den PlayStation Store und bei Händlern nur noch in digitalen Formaten erhältlich sein. Bereits veröffentlichte Spiele oder Titel, die vor diesem Stichtag noch als Disc erscheinen, sind davon laut Sony nicht betroffen.

Sony begründet den Schritt mit veränderten Verbraucherinteressen und einem allgemeinen Wandel in der Unterhaltungsbranche. Digitale Käufe, Downloads und Streaming werden wichtiger, physische Datenträger verlieren an Bedeutung.

Technisch mag das nachvollziehbar sein. Emotional trifft es viele Spieler trotzdem hart.

Hideo Kojima findet das "wirklich traurig"

Einer der prominentesten Kritiker ist Hideo Kojima. Der Game-Designer hinter Metal Gear Solid und Death Stranding sprach bei einem Filmfestival in Italien über den Trend weg von physischen Medien. Laut PC Gamer sagte Kojima, er sei mit physischen Medien aufgewachsen und finde die Entwicklung "really sad".

Kojima bezog sich dabei nicht nur auf Spiele. Er sprach auch über Blu-rays, CDs und die allgemeine Frage, was passiert, wenn Medien nur noch digital existieren. Gerade bei einem Entwickler wie Kojima passt diese Haltung: Seine Spiele sind stark von Filmkultur, Sammlerobjekten, Editionen und Archivdenken geprägt.

Wenn jemand wie Kojima traurig auf das Disc-Aus schaut, geht es nicht nur um Nostalgie. Es geht um die Frage, ob Spiele künftig noch Dinge sind, die man wirklich besitzen kann.

Entwickler und Publisher reagieren enttäuscht

Kojima ist mit seiner Kritik nicht allein. GamesRadar berichtet, dass mehrere Entwickler und Publisher Sonys Entscheidung als schweren Verlust für physische Medien sehen. Genannt werden unter anderem Stimmen aus dem Umfeld von Baldur's Gate 3Hollow Knight: SilksongAnimal WellThe Binding of Isaac sowie physische Publisher wie Fangamer und iam8bit.

Besonders deutlich wurde Michael Douse von Larian Studios, dem Studio hinter Baldur's Gate 3. Er bezeichnete die Entscheidung laut GamesRadar als "genuinely heartbreaking". Für viele Teams sind physische Editionen nicht nur ein Vertriebsweg, sondern auch ein Ausdruck von Wertschätzung gegenüber dem eigenen Spiel.

Gerade liebevoll gestaltete Collector's Editions, Handbücher, Artbooks, Soundtracks oder besondere Verpackungen machen Spiele für viele Fans greifbarer. Eine reine Download-Lizenz kann das nur schwer ersetzen.

Digital ist bequem, aber nicht dasselbe

Natürlich haben digitale Spiele Vorteile. Kein Disc-Wechsel, schnelle Käufe, Preloads, weniger Verpackungsmüll und oft bequemere Bibliotheken. Viele Spieler kaufen längst überwiegend digital.

Das Problem ist aber: Digital gekauft heißt nicht immer wirklich besessen. Wenn ein Store geschlossen wird, Lizenzen verschwinden, Accounts gesperrt werden oder Server abgeschaltet werden, kann der Zugriff kompliziert werden. Bei reinen Online-Spielen ist das ohnehin ein Problem. Aber auch klassische Singleplayer-Spiele werden anfälliger, wenn es keine physische Fassung mehr gibt.

Eine Disc ist ebenfalls keine perfekte Lösung. Viele moderne Spiele brauchen Patches, Downloads oder Serverzugänge. Trotzdem bleibt sie für Sammler, Archivare und viele Spieler ein wichtiges Stück Kontrolle.

Game Preservation wird schwieriger

Der Wegfall physischer Medien verschärft auch die Debatte um Game Preservation, also den Erhalt alter Spiele. Wenn Spiele nur noch digital erscheinen, hängt ihr langfristiges Überleben stärker von Plattformbetreibern, Lizenzen und Store-Infrastruktur ab.

Genau deshalb reagieren viele Entwickler so emotional. Es geht nicht nur darum, ob jemand eine Box ins Regal stellen kann. Es geht darum, ob Spiele in 20 oder 30 Jahren noch auffindbar, spielbar und dokumentierbar sind.

Boutique-Publisher wie Fangamer oder iam8bit wollen zwar weiter physische Editionen unterstützen, doch Sonys Plattformentscheidung macht das auf PlayStation deutlich schwieriger. GamesRadar ordnet die Reaktionen deshalb als breiten Aufschrei aus der Preservation- und Sammler-Szene ein.

Für Händler ist das ebenfalls ein Einschnitt

Auch der klassische Spielehandel verliert dadurch weiter an Bedeutung. Wenn neue PlayStation-Spiele ab 2028 nur noch digital erscheinen, schrumpft ein wichtiger Bereich im Regal. Händler können dann zwar weiterhin Download-Codes, Guthaben, Zubehör oder ältere Spiele verkaufen, aber das klassische "neues Spiel im Laden kaufen" wird seltener.

Für Sony ist das wirtschaftlich naheliegend. Digitale Verkäufe laufen über den eigenen Store, bringen bessere Kontrolle und höhere Margen. Für Spieler bedeutet es aber auch weniger Wettbewerb, weniger Gebrauchtmarkt und weniger Möglichkeiten, Spiele zu verleihen oder weiterzuverkaufen.

GTA VI zeigt, wohin die Reise geht

Die Debatte passt perfekt zur aktuellen Aufregung um GTA VI. Auch dort sorgt die Box-Version ohne Disc für Diskussionen. Spieler bekommen eine Verpackung, aber offenbar nur einen Download-Code. Das wirkt wie eine Übergangsstufe: außen noch physisch, innen schon komplett digital.

Wenn Sony ab 2028 bei neuen PlayStation-Spielen tatsächlich keine Discs mehr produziert, könnte diese Übergangsphase bald enden. Dann wird die Frage nicht mehr sein, ob in der Box eine Disc liegt – sondern ob es überhaupt noch eine Box gibt.

Ein Verlust, der größer ist als Plastik

Man kann den digitalen Wandel nicht zurückdrehen. Viele Spieler haben sich längst daran gewöhnt, ihre Bibliotheken online zu verwalten. Für neue Generationen ist eine Disc vielleicht nicht mehr selbstverständlich.

Trotzdem hat Kojima einen Punkt. Physische Spiele sind mehr als Plastikscheiben. Sie sind Erinnerungsstücke, Sammlerobjekte, Archivmaterial und ein Stück Kontrolle für Spieler. Wenn sie verschwinden, wird Gaming bequemer – aber auch flüchtiger.

Sony nennt den Schritt einen natürlichen Wandel. Für viele Entwickler, Publisher und Fans fühlt er sich eher wie ein Abschied an.


Foto: Daniel Ramirez/Wikimedia Commons, CC BY-SA